Die Projektgeschichte

Das Modellprojekt Selbstvermittlungscoaching (SVC) hatte zum Ziel, langzeitarbeitslose Menschen aus dem SGB II wieder in Arbeit zu bringen. Und zwar in Arbeit, die sie gerne machen. Sie sollten eine Stelle finden, die zu ihnen passt.
Hierzu wurden zwei Coachingverfahren erprobt, die unterschiedliche Traditionen und Vorgehensweisen umfassen, jedoch auch große Gemeinsamkeiten haben: Life / Work Planning (LWP) und Vermittlungscoaching (VC).
Beide Methoden wurden von Projektleiter Werner Lüttkenhorst ausgewählt, da bei ihnen der verdeckte Arbeitsmarkt, eine persönliche Zielentwicklung und individuelle Such- und Marketingstrateigen eine große Rolle spielen. Es wird großer Wert auf die Bildung eines persönlichen Netzwerkes der Teilnehmenden gelegt, das auch nach Abschluss der Betreuungsphase erhalten bleiben und den Integrationsprozess weiterhin unterstützen soll.
So soll dem Rückfall in alte, destruktive Muster und Gewohnheiten vorgebeugt werden.

Am Anfang der Projektgeschichte steht der Kontakt des Projektentwicklers und späteren Projektleiters Werner Lüttkenhorst mit Julia Glöer, einer erfahrenen LWP-Trainerin. Hinzu kamen Marc Buddensieg, ebenfalls erfahrener LWP-Trainer, und John Webb, der LWP beim Erfinder des Verfahrens, Richard Nelson Bolles, gelernt und es nach Deutschland gebracht hatte. Er hat neben der LWP-Trainerausbildung im Projekt die ersten drei Kurse im Kreis Unna durchgeführt und die dortigen Teilnehmenden und LWP-Trainer durch Coaching begleitet. Von ihm stammen zahlreiche Ideen und Vorlagen für Arbeitsblätter, die insbesondere in den Modulen „Orientierung“ und „Netze knüpfen“ des SVC eingesetzt werden. Marc Buddensieg führte die ersten Kurse in Ratingen (Kreis Mettmann) im Rahmen des Projekts durch und unterstützte die dortigen Mitarbeiter/-innen sowie Teilnehmende mit Coaching und Beratung.

Die zweite Methode im Projekt war das Vermittlungscoaching (VC). Kooperationspartner waren Thomas Heinle (Entwickler der Methode) sowie Gabi van Dyk und Thomas Heidemüller vom Vorstand der VC-Coaching eG, die die Projektaufgaben untereinander aufteilten.
Im VC ausgebildet und mit Coaching-on-the-job sowie Supervision unterstützt wurden u. a. die Mitarbeiter/-innen der am Projekt beteiligten Träger in Witten, Remscheid und Wuppertal.
LWP und VC haben viele interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Überschneidungen und Ergänzungen, die im fachlichen Austausch deutlich wurden. Aus dem fachlichen Diskurs, in den sich auch Johannes Massolle (Move Organisationsberatung Münster) einbrachte, entstand eine konkrete Kooperation. Der Paritätische NRW, der an Erfahrungen aus früheren Modellprojekten anknüpfen konnte, entwickelte eine Projektkonzeption und begann nach Partnern für die Umsetzung zu suchen.

Die Partner für eine regionale Projektumsetzung waren nach einigen Schwierigkeiten gefunden, ein vom Paritätischen NRW als zentraler Projektträger formulierter Antrag auf Förderung als innovatives Modellprojekt wurde beim Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) NRW eingereicht. Barbara Molitor, die damals zuständige Referatsleiterin im MAIS, und Barbara Hordt, die zuständige Abteilungsleiterin bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.), begleiteten die Antragstellung, die zu einem positiven Votum der AG Innovation im MAIS NRW führte.
LWP und VC-Vertreterinnen und -Vertreter arbeiteten in der Steuerungsgruppe und der AG Zuweisung und Begleitung des Projekts mit und stellten für die Publikationen und die SVC-Software in großem Umfang eigene Materialien und Arbeitsblätter zur Verfügung.
An einer Projektbeteiligung interessierte Sozialunternehmen und Jobcenter gab es viele; zum Projektstart konnten vier, später fünf Träger die erforderliche regionale Kofinanzierung durch Beauftragungen seitens der jeweiligen Jobcenter darstellen.
Diese beteiligten arbeitsmarktpolitischen Träger waren die Wabe mbH aus Witten, die Arbeit Remscheid gGmbH, die Werkstatt im Kreis Unna GmbH, der Caritasverband für den Kreis Mettmann e. V. sowie alpha e. V. aus Wuppertal.
Ihre Beauftragungen erhielten sie vom zuständigen Jobcenter ihrer Region, also dem Jobcenter EN, dem Jobcenter Remscheid, dem Jobcenter Kreis Unna sowie dem Jobcenter Wuppertal. In Mettmann wich das Finanzierungsmodell ab, weswegen es hier keine direkte Beauftragung gab, jedoch eine konstruktive Kooperation mit dem Jobcenter Kreis Mettmann.

Im Zentrum des anschließenden Projekts stand ein Entwicklungsauftrag. Im ersten Projektjahr wurden die Methoden LWP und VC an Akteure an den Projektstandorten vermittelt und bei den beteiligten Sozialunternehmen eingeführt. Zudem richtete die Projektleitung zwei zentrale Arbeitsgruppen (AGs) ein. Moderation und Ergebnissicherung beider AGs war Aufgabe von Johannes Massolle (Move Organisationsberatung Münster), der die Praxisbegleitung im Projekt innehatte.
In der „AG Zuweisung und Begleitung“ wurden gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Jobcenter, der durchführenden Träger und der Methodenvertreter/-innen individuelle Voraussetzungen, strukturelle Rahmenbedingungen und Prozessketten analysiert und bearbeitet.
In der zweiten AG, der „AG Methodenentwicklung“, wurden die Erfahrungen in der Arbeit mit Teilnehmenden bei der Anwendung der gelernten Methoden ausgewertet. Schwierigkeiten und Fehler in der Praxis, die es selbstverständlich gab, wurden hier thematisiert und Lösungsoptionen erarbeitet. Die LWP-Trainer/-innen lernten VC kennen und umgekehrt. Es wurde ein Bedarf an zusätzlichen Qualifikationen deutlich, woraufhin Weiterbildungseinheiten zur systemischen Beratung, zur motivierenden Gesprächsführung sowie ein Selbstmanagementkurs nach dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) im Rahmen dieser AG durchgeführt wurden. Bis weit in das zweite Projektjahr hinein wurden hier die Grundlagen erarbeitet für die Beschreibung von SVC als Methode.
Eine weitere AG befasste sich mit der Entwicklung der SVC-Software. Hier wurde auf umfängliche Vorarbeiten der VC-Coaching eG und der jobkontakt GmbH (Köln, Geschäftsführer Jörg Prüfer) zurückgegriffen; letztere erhielt einen entsprechenden Entwicklungsauftrag im Rahmen des Projekts.

Zentrales Leitungsgremium des Modellprojekts war die Steuerungsgruppe. Hier liefen in der Verantwortung der Projektleitung die Fäden zusammen, wurde die Entwicklung reflektiert, wurden Schwierigkeiten benannt und in stets konstruktiver Zusammenarbeit Lösungen gesucht und verabredet sowie Misserfolge und Erfolge gewürdigt.

Es zeigte sich frühzeitig, dass die ursprünglich angestrebte Vermittlungsquote von 45 % mit Blick auf die zugewiesenen, zum Teil extrem belasteten Zielgruppen und die Stolpersteine im Projektverlauf zu ambitioniert war. Stattdessen wurde eine Integrationsquote von insgesamt ca. 18 % (sozialversicherungspflichtige und geringfügige Beschäftigung) erreicht. Insbesondere die lange Erwerbsunterbrechung vieler Teilnehmender an den Standorten Witten und Unna war ursächlich für die deutlich niedrigere Integrationsquote.
Bemerkenswert erscheint uns jedoch, dass die aufgenommenen Beschäftigungsverhältnisse relativ stabil zu sein scheinen: Sechs Monate nach Ende der Maßnahme waren über 90 % von denen, die unmittelbar nach Abgang aus der Maßnahme eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen hatten, weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies lässt hoffen, dass durch SVC eine größere Passgenauigkeit und folglich größere Nachhaltigkeit erreicht werden kann als bei anderen vermittlungsorientierten Maßnahmen. Allerdings stieß die Evaluation bei der Untersuchung langfristiger Effekte hier auch an ihre Grenzen.

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